aus: Aargauer Kuratorium. Jurybericht Bildende Kunst 07 | Auswahl 07

 

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In der zweiteiligen Fotografie „Blüemlisalpgletscher“ beschäftigt sich Georg Aerni mit dem Thema der alpinen Landschaft. Er untersucht in seinem Werkzyklus der Alpenbilder die ästhetischen wie auch plastischen Grundlagen dessen, was wir gemeinhin alpine Landschaft nennen. Dabei erstaunt der direkte Blick eines scheinbar nahen Gegenübers, ab und zu aus leichter Untersicht, der weder von einer Ästhetik der Erhabenheit noch vom Panoramablick geführt wird. Georg Aerni wendet sich vielmehr der Plastizität der Landschaft zu, die sich seiner Kamera in Form von Landschaftsübergängen zwischen Firn und Eis, Gletscher und Moräne, Fels und Erdreich zeigt.

Die Bildformate sind so komponiert, dass Details einer Landschaft eine eigene Rahmung finden, ohne dass der Gesamtzusammenhang zum Motiv verloren geht. Georg Aernis Aufnahmen sind alle vom Fehlen jeglicher Verweise auf Wetter, zivilisatorische Zeichen oder Massstäblichkeit gekennzeichnet. Dadurch entsteht eine eigentümliche Distanz, die die Aufmerksamkeit auf die formalen Eigenschaften, Details und heiklen Übergangszonen der dargestellten Landschaft lenkt. Inspiriert von der direkten, dokumentarischen Fotografie entwickelt der Künstler seinen präzisen, kontrollierten Blick für räumliche Strukturen in der Landschaft. Raumsituationen interessieren den Fotografen mit architektonischer Grundausbildung seit längerem, sei es in der Künstlichkeit einer Landschaft im zoologischen Garten, sei es in der Raumplanung einer Stadt. Das Aargauer Kuratorium zeichnet mit dem Beitrag Georg Aernis beharrliche fotografische Recherche aus, die sich nicht von bereits vorhandenen Clichés von Alpenbildern verführen lässt.


Sibylle Omlin