aus: Infoblatt „Kunst und Bau. Wohnsiedlung Triemli II, 2006“, Stadt Zürich, Amt für Hochbauten

 

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Bei manchen der Fotografien muss man schon genau  hinschauen, um Tiere auf den Bildern zu erkennen. Offensichtlich sind dies Aufnahmen aus Gehegen; der Kletterfelsen und als Natur getarnte Einzäunungen machen dies deutlich. Bilder aus europäischen Zoos, in denen das Tier aber keineswegs im Brennpunkt steht. Die körpergrossen Aufnahmen rhythmisieren die Flucht des Korridors im Wechsel mit den Fenstern. Sie sind nicht als Ausblick in eine exotische Welt gedacht, sondern erschliessen im Raum neue Räume. Das Interesse des Fotografen Georg Aerni (*1959) gilt der künstlichen Landschaft und ihren räumlichen Strukturen. In früheren Arbeiten richtete Georg Aerni sein  Augenmerk auf Stadträume. Er zeigte Ansichten von Tokioter Hochhäusern, die sich der Aussenwelt verschliessen; kein Bilck dringt zu den Innenräumen und zu seinen Bewohnern vor. Es sind dies Gebäude, die nicht im Geringsten auf Repräsentation nach aussen angelegt sind, sondern sich ganz privat geben. Auffallend ist, dass in allen Fotografien Georg Aernis der Mensch nicht sichtbar und doch präsent ist, gerade weil er durch seine Abwesenheit unsere Aufmerksamkeit erregt. So ist nicht ein Zoobesucher auf den acht Grossbilddias im Erdgeschoss des Gebäudes an der Birmensdorferstrasse auszumachen. Dadurch wirken die Fotografien zunächst eigenartig unbeseelt. Und ziehen einen dennoch in den Bann. Ohne Ablenkung durch Akteure, erfassen wir die Architektur des gebauten Aussenraums. Frei von jeglichem erzählerischen Moment, sind es die Strukturen und Flächen der abgelichteten Anlagen, die das Bild komponieren oder besser: es konstruieren. Georg Aerni, der eine architektonische Grundausbildung genossen hat, lässt Gestaltungsprinzipien nun dort aufscheinen, wo eigentlich alles daran gesetzt wird, Natur möglichst natürlich nachzubilden - im Zoo. Sei es, um den Städtern die ersehnten Naherholungsräume mit künstlichen Seen und baumbestandenen Spazierwegen zu bieten, sei es, um den Tieren eine möglichst artgerechte Haltung zu ermöglichen. Gebaute Natur sind sowohl die symmetrisch angelegten Wasserläufe in begradigten Kanälen, als auch die besagten Kletterfelsen in originaler Wüstensandfarbe. Georg Aerni zeigt uns dies bewertungsfrei und kommentarlos als nüchterne Bestandesaufnahmen von räumlichen Situationen.


Claudia Pantellini  / https://www.stadt-zuerich.ch/hbd/de/index/hochbau/kunst_und_bau/werke_kub/proj_baugenossenschaften/bgrotach.html