aus: SAMMLUNG CREDIT SUISSE – Kunst im Geschäftsumfeld. Scheidegger & Spiess, 2011

 

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Georg Aerni (*1959) hat sich mit einem umfangreichen dokumentarfotografischen Werk einen Namen gemacht. Sein künstlerisches Interesse gilt dem öffentlichen Raum. Der Fotograf untersucht mit der Kamera beispielsweise gebaute Strukturen in den Megacitys der Welt oder nimmt künstlich überformte Landschaften in zoologischen Gärten ins Visier. Die seriellen Arbeiten bilden gleichsam zeitgenössische Tyoplogien unserer gestalteteten Umwelt.

Die Sammlung Credit Suisse vereint Ansichten von Stadträumen aus der Serie „Slopes & Houses“, einen Diachromleuchtkasten (mit einem Hongkong-Prospekt unter dem Titel Happy Valley, 2000/2008), Gletschermotive aus der Serie „Holozän“ und Fotografien aus „Territorien“, welche Einsichten in leere Zoogehege zeigen. Obwohl kaum eine Person oder ein Tier je auf Georg Aernis Bildern zu sehen ist, denken seine Bilder ohne Ausnahme den Menschen mit. Strassenschluchten, gebaute Freizeitanlagen, mit Beton überzogene Hänge (engl. „slopes“), aber auch beeinträchtigte natürliche Landschaften wie Gletscherzungen, die uns an die Klimaerwärmung mahnen, verweisen auf den vom Menschen abhängigen, öffentlichen Raum.

Der gelernte Architekt prangert nicht an. Er fokussiert unter möglichst neutralen Bedingungen, bei immer gleichem Wetter. Er sucht keine spektakulären Perspektiven, sondern zeigt uns in moderaten Farbtönen unsere Welt, die immer von der Zivilisation beeinflusst ist. Georg Aerni vermisst den Raum aus einer eigentümlich distanzierten Nähe. Er scheint die Oberfläche der Landschafts- und Gebäudekörper abzutasten, lässt uns unmittelbar teilhaben, ohne aber den Blick auf das Ganze aus den Augen zu verlieren. Auf diese Weise erkennt der Betrachter das abgebildete Motiv – meist an den Bildrändern leicht beschnitten, eingebettet in eine zwar unsichtbare, aber weiterführende Umgebung. Gleichzeitig ist er so nahe am Objekt, dass er Details in der Übersicht der Bildkomposition ausmachen kann. Er wird somit selbst zum aufmerksamen und zeitgenössischen Beobachter zivilisatorischer Entwicklung.

Andrina Joerg